Mit dem Frühlingswendepunkt der Sonne endet und beginnt das astrologische Jahr. Das Ende des astrologischen Jahres fällt mit der christlichen Fastenzeit zusammen. Fasten ist immer wieder Thema in Fernseh- und Printmedien. Warum fasten Menschen freiwillig in unserer Überflussgesellschaft? Wieso fasten häufig gerade die Menschen, die sich alles leisten können? In welcher Form können Menschen fasten, denen es sowieso schon am Nötigsten fehlt?
Der christliche Brauch der Fastenzeit lässt sich bis in das 4. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Mittelalter dauerte die Fastenzeit vor Weihnachten 40 Tage und begann nach dem 11. November, dem Martinstag. Aus jener Zeit stammt auch der Brauch, vor dem Beginn des Fastens noch eine Martinsgans zu verzehren.
Mit dem Begriff Fastenzeit ist jedoch eigentlich die österliche Bußzeit gemeint. Auch heute wird (ähnlich der Martinsgans) dem vorösterlichen Fasten eine Zeit des Schlemmens und der Lebensfreude voran gestellt, die bekannter Maßen zumindest in den meisten Regionen Deutschlands ausgelassen gefeiert wird – nämlich die Fas(t)nacht (süddeutsch auch Fasnet) oder Fasching oder eben Karneval. Die fast wortgetreue Übersetzung des Wortes Carnevale aus dem italienischen zeigt uns, was es mit der Fastenzeit auf sich hat und kann fast doppeldeutig genommen werden. „Fleisch, leb wohl“ bedeutet zum einen auf Genussmittel wie z. B. Fleisch zu verzichten, zum anderen auch überflüssige Pfunde loszuwerden.
Die nun folgende Fastenzeit (auch Passionszeit) wurde in der Vergangenheit mehr oder weniger hart von der hier mehrheitlich herrschenden Religion vorgegeben und durchgesetzt. Heute ist das Fasten wohl eher eine individuelle und freiwillige Angelegenheit. Da es Fastensrituale aber nicht nur in der christlichen Religion gibt, sei uns ein kleiner Blick über den eigenen Tellerrand hinaus gestattet.
Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit dem Osterfest
voran, das durch ein katholisches Konzil im Jahr 325 n. Chr. auf den ersten
Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgesetzt wurde. Somit ist sowohl
die jährliche Terminierung des Osterfestes als auch der Fastenzeit "beweglich" und
definiert sich im Verhältnis zu Ostern durch die Länge der Fastenzeit.
Die Fastenzeit von ausgerechnet 40 Tagen kann auf verschiedene historische
Ereignisse bezogen werden, z. B. 40 Tage fastet Jesus in der Wüste und
40 Tage nach der Auferstehung (= Ostern) feiert die Kirche Christi Himmelfahrt.
Ursprünglich lag der Beginn der Fastenzeit auf einem Dienstag und die
Fastnacht wurde am Montag nach dem 6. Sonntag vor Ostern gefeiert.
Aber auch die Fastenzeit unterlag Veränderungen, so wurden 1091 n. Chr.
die Sonntage von der Fastenzeit ausgenommen. Damit troztdem volle 40 Tage
gefastet wurde, verlegte man die Fastenzeit kurzer Hand 6 Wochentage vor.
Die Fastnacht endet seitdem am Dienstag nach dem 7. Sonntag vor Ostern und
die Fastenzeit beginnt mit dem folgenden Mittwoch, den wir heute als Aschermittwoch
kennen. Das Fasten ist – je nach Landstrich – sowohl zur alten
als auch zur neuen Fastenzeit üblich. Um eine Unterscheidung zu treffen,
nennt man den Termin für den Beginn der Fastenzeit nach alter Regelung
Bauernfastnacht, der Beginn der neuen Fastenzeit ist unter dem Begriff Herrenfastnacht
bekannt.
Während der Fastenzeit sind die Fastenden aller Religionen an bestimmte Pflichten gebunden.
Die Christen sind zum Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte und Eier aufgerufen sowie an der Mitfeier der Karwoche und der österlichen Gottesdienste und der Teilnahme an der Osterbeichte. Dennoch gibt es innerhalb des Christentums Unterschiede.
So hat z. B. die östlich-orthodoxe Kirche vier Fastenzeiten: die große Fastenzeit, die sieben Wochen vor Ostern beginnt und bis Ostern dauert (50 Tage strenges Fasten), die Apostel-Fastenzeit, die Mariä-Entschlafungs-Fastenzeit und die Weihnachts-Fastenzeit. Außerdem soll an jedem Mittwoch und Freitag gefastet werden, außer in den Wochen direkt nach Ostern und Weihnachten.
Die Reformatoren sind der Ansicht, dass die Menschen nicht fasten müssten, da Jesus Christus sich selbst am Kreuz geopfert habe, seien weitere Opfergaben unnötig. Dennoch ist der Brauch des Fastens im heutigen Protestantismus nicht unbekannt. Für viele Protestanten ist der Verzicht auf Fleisch und Genussmittel bis heute am Karfreitag selbstverständlich.
Im Islam heißt die Fastenzeit Ramadan und ist den Menschen hierzulande bekannter als Fastenzeiten z. B. der Orthodoxen und Reformatoren, da viele hier lebende Muslime, den Ramadan – sehr intensiv und ursprünglich – nach wie vor praktizieren. In dieser Zeit (max. 30 Tage) dürfen Moslems tagsüber weder essen noch trinken. Fasten bildet die vierte der fünf Säulen des Islam und ist für alle Muslime verpflichtend. Die tägliche Fastenzeit umfasst die Zeit des Tageslichts: „Wenn ein weißer Faden in der Morgendämmerung erkennbar ist, beginnt das Fasten und es endet, wenn der Faden in der abendlichen Dunkelheit verschwindet“.
Im Judentum wird zu Jom Kippur, dem Versöhnungsfest, gefastet. Dieser Feiertag gilt als der Wichtigste im jüdischen Kalender. Essen, trinken und rauchen – darauf sollen die Gläubigen zur Läuterung verzichten. Ebenso verbieten sich die Gläubigen an diesem Tag Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder (einschließlich Lederschuhen) und sexuelle Beziehungen. Das Fasten - der gänzliche Verzicht auf Essen und Trinken - beginnt kurz vor Sonnenuntergang und endet am folgenden Tag nach Einbruch der Nacht.
Ob und wie viel man fasten möchte, hängt von der eigenen Motivation und Einstellung ab. Aber wie immer ist die Fastenzeit eine Möglichkeit, in sich zu gehen, sich zu sammeln, Kräfte zu bündeln oder aber sich über das eigene Leben klarer zu werden.
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